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16.06.2017

Wirtschaftsfaktor Kinderstation: Berechnungen von Geburt e. V. noch lückenhaft und an der Wirklichkeit vorbei

Die Gesellschafterentscheidung über die zukünftige Ausgestaltung der Fachabteilungen Geburtshilfe und Pädiatrie an der imland Klinik Eckernförde rückt näher.

Anfang dieser Woche hat der Verein Geburt e. V. mit seinen Berechnungen „Welchen Wirtschaftsfaktor hat eine Kinderstation für die Geburtshilfe?" seine Empfehlungen vorgelegt.

Darin wird die Schlussfolgerung gezogen, dass mit der Ausgestaltung der Abteilungen für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Pädiatrie als perinataler Schwerpunkt bei 800 Geburten gemäß den Empfehlungen der Fachgesellschaften ein verlustfreier bis profitabler Betrieb möglich sei. Die geburtshilfliche Abteilung soll dabei belegärztlich geführt bleiben, während die Kinderheilkunde als Hauptabteilung mit angestellten Ärzten betrachtet wird.

Bei genauerem Hinsehen werfen diese Strukturempfehlungen mehrere Fragen auf, die noch beantwortet werden müssen. So ist bekannt, dass eine belegärztlich geführte Fachabteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am wirtschaftlichsten ist. Unklar in den Berechnungen ist jedoch, wie die Kosten für die Erstattung der Haftpflichtversicherung sowie für die kostenlose Gestellung von Ärzten für den Stationsdienst und die anteilige Übernahme von Rufdiensten, deren Übernahme bislang von den ortsansässigen Belegärzten gefordert wurde, berücksichtigt sind. Zwei Rechtsgutachten sind bislang zum Ergebnis gekommen, dass solche Unterstützungsleistungen strafrechtlich wie berufsrechtlich nicht zulässig sind.

Hinsichtlich der vorgeschlagenen Hauptabteilung Pädiatrie wird ein jahresdurchgängiger Präsenzdienst von rund fünf Ärzten vorgeschlagen. Wie dies aber mit einem kalkuliertem Personalaufwand von 450.000 € p. a. gehen soll, ist fraglich. Entgegen den Empfehlungen der Fachgesellschaften schlägt Geburt e. V. einen Stellenplan mit Minimalbesetzung vor. Danach müssen alle Ärzte Facharzt sein und pro Woche 48 Stunden in einem 3-Schicht-System arbeiten, an dem auch der Chefarzt oder die Chefärztin sich beteiligen müssten. Zu glauben, dass eine Facharztstelle bei einer solch hohen Dienstbelastung mit rd. 90.000 € finanziert werden kann, ist unrealistisch. Laut Statistischem Bundesamt kostete eine Stelle im Ärztlichen Dienst im letzten Jahr rd. 120.000 €, wobei hier noch viele Assistenzärzte in Weiterbildung eingerechnet sind. Die Berechnungen der imland GmbH für kommen für die knapp fünf Ärzte zu tariflichen Personalkosten auf 730.000 €. Und ob auf dem Arbeitsmarkt derzeit fünf Fachärzte für eine solche hohe Dienstbelastung zu finden sind, ist mehr als fraglich.

Die zuvor skizzierte Lücke im Personalkostenansatz von Geburt e. V. soll durch die jetzt von der geburtshilflichen Abteilung getragenen Kosten für den neonatologischen Rufdienst geschlossen werden. In den Berechnungen werden diese Kosten von rd. 290.000 € in der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe jedoch nicht aufgeführt. Bei Berücksichtigung dieser Kosten würde das Gesamtergebnis jedoch zu einem Defizit führen. Volle Klarheit wäre dann gegeben, wenn die Berechnungen vollumfänglich offengelegt würden.

Nicht beantwortet werden mit den Vorstellungen von Geburt e. V. wesentliche Fragen, mit deren Beantwortung der Kreis Rendsburg Eckernförde als Gesellschafter der imland Klinik

die Geschäftsführung und einen vom Kreis benannten Gutachter beauftragt hat. Danach sind verschiedene Konzepte zu prüfen, die eine rechtssichere, dauerhafte Ausgestaltung von Geburtshilfe und Pädiatrie ermöglichen und bei denen auch die strukturellen Risiken der nächsten Jahre zu berücksichtigen sind.

Hier ist zunächst zu beachten, dass sich die imland Klinik Eckernförde nicht durch einfachen Wunsch zum perinatalen Schwerpunkt level III machen läßt, in dem auch Risikogeburten durchgeführt werden dürfen. Vielmehr ist hierfür beim Sozialministerium in Kiel als zuständiger Planungsbehörde ein entsprechender Versorgungauftrag zu beantragen. Das Ministerium hat jedoch erst vor wenigen Wochen noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ein solcher Antrag aufgrund der hohen Dichte an bereits vorhandenen höherwertigen Versorgungszentren in den zuständigen Gremien nicht positiv beschieden würde.

Ferner ist die Zahl von 800 Geburten dauerhaft nur zu erfüllen, wenn jedes Jahr mindestens 300 bis 400 Eltern aus Kiel, Rendsburg, Schleswig, Flensburg und Umgebung sich entscheiden, wohnortfern in Eckernförde zu entbinden und gezielt auf Risikogeburten gesetzt wird. Wenn dort jedoch vergleichbare geburtshilfliche Angebote geschaffen werden, ist die dauerhafte Erfüllung der hohen Fallzahlannahme mehr als fraglich.

Völlig offen ist zudem, wie viele stationäre Patienten in einer pädiatrischen Hauptabteilung in Eckernförde versorgt werden und woher diese kommen sollen. In den zurückliegenden Jahren wurden in der pädiatrischen Belegklinik zwischen 160 und 180 Kinder mit leichteren Erkrankungen stationär versorgt. Hinzu kamen sogenannte „kranke Neugeborene", deren Anteil mit über 25 Prozent aller Neugeborenen in der Vergangenheit allerdings recht hoch war. Stationäre Pädiatrie wird außer an der Uni-Klinik noch im Städtischen Krankenhaus in Kiel, in Rendsburg sowie in Schleswig angeboten. Bei dieser sehr hohen Dichte an pädiatrischen Hauptabteilungen auf einen signifikanten Fallzahlanstieg zu setzen, erscheint äußerst spekulativ.

Angesichts dieser ungelösten Fragen bleibt festzustellen, dass es sich bei dem Modellvorschlag von Geburt e. V. um eine Idealvorstellung handelt, für deren Umsetzung jedoch wesentliche Voraussetzungen nicht erfüllt sind und die bei realistischer Betrachtung kaum erfüllbar sein werden. Die Berechnung lässt überdies Kosten unberücksichtigt, so dass die behauptete Kostenwirtschaftlichkeit nicht nachvollzogen werden kann.

„Insofern spricht vieles dafür, die Vorlage der für den kommenden Monat erwarteten Konzeptvorschläge der imland Geschäftsführung und des vom Kreis beauftragten Gutachters abzuwarten" so Dr. Hans-Markus Johannsen, Geschäftsführer der imland GmbH. „Eine rechtssichere und dauerhaft stabile stationäre Versorgung von geburtshilflichen Patienten ist das mindeste, auf das sich Patienten und Mitarbeitende verlassen können müssen" fordert auch der Aufsichtsratsvorsitzende der imland GmbH, Thorsten Schulz.


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